Mönchspfeffer – Anwendungsgebiet – Inhaltsstoffe – Wirkungsweise

Der Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) gehört zur Familie der Lippenblütler. Weitere Namen sind Abrahamstrauch, Keuschbaum, Frauenkraut, Liebfrauenbettstroh oder Pfeffersalz. Im Handel ist das Pflanzenextrakt auch unter seiner lateinischen Bezeichnung Agnus Castus erhältlich. Der Mönchspfeffer stammt ursprünglich aus Europa und dem Südwesten Asiens, und findet sich heute als Zierstrauch in vielen heimischen Gärten.

Der Strauch wächst vor allem an feuchten Standorten und erreicht eine Höhe von bis zu vier Metern. Die fingerartigen, spitzen Blätter erinnern an Hanf. Sie verströmen einen aromatischen Duft und sind auf der Unterseite weiß gefärbt und mit einem feinen Filz überzogen. Die violetten, blauen, rosafarbenen oder weißen Blüten erscheinen im Sommer und sind in dichten Ähren angeordnet. Aus ihnen entwickeln sich kleine, kugelförmige, rot-schwarze Früchte, in denen sich jeweils vier Samenkörner befinden. Sie bilden die Grundlage für die Herstellung von Arzneimitteln.

Was ist Mönchspfeffer?

Mönchspfeffer findet seine erste Erwähnung in der griechischen Antike. Die Pflanze besaß eine große rituelle Bedeutung und galt als Symbol der Keuschheit. Hippokrates empfahl die Einnahme der Blätter gegen Blutfluss. Die rotschwarzen Früchte verwendete man in der Vergangenheit als Gewürz und als Mittel zur Unterdrückung des Geschlechtstriebes. Im Mittelalter war der Mönchspfeffer das Sinnbild des keuschen Mönchtums. Auch das Verstreuen der Blüten und Blätter im Bett sollte die Lust unterdrücken. Aus den Blättern kochte man einen Sud, der in der Frauenheilkunde sowohl zur äußeren als auch zur inneren Anwendung zum Einsatz kam. Die Mönche bauten die Pflanze in ihren Klostergärten an und wendeten sie beispielsweise bei Wassersucht oder zur Behandlung von Verletzungen an.

Anwendungsgebiete

Mönchspfeffer reguliert den weiblichen Hormonhaushalt. Die Pflanze wird zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms, einer ausbleibenden oder zu starken Periode und bei Zyklusstörungen verwendet. Mönchspfeffer reduziert Schmerzen und Spannungsgefühle in den Milchdrüsen, sowie Kopf- und Rückenschmerzen. Seine regulierende Wirkung auf den Hormonspiegel begünstigt einen regelmäßigen Zyklus. Weitere positive Auswirkungen bestehen in der Verringerung von Wasseransammlungen in Händen und Beinen, nachlassenden Verdauungsbeschwerden und dem selteneren Auftreten von Kopfschmerzen oder Migräne. Die krampflösenden Eigenschaften von Agnus Castus können Menstruationsschmerzen lindern.

Manche Frauen entwickeln eine prämenstruelle Dysphorie, bei der sich die typischen Beschwerden des prämenstruellen Syndroms zu starken psychischen Beschwerden und hoher Reizbarkeit steigern. Durch seine entspannende Wirkung beeinflusst die Pflanze auch die Psyche positiv und kann deshalb bei Ängsten, Reizbarkeit und Müdigkeit zum Einsatz kommen. Für die Behandlung von Depressionen ist Mönchspfeffer hingegen nicht geeignet, da es die Symptome noch verstärken kann.

Während der Wechseljahre vermindert die Einnahme des Extrakts Gereiztheit und verbessert den Schlaf. Agnus Castus reduziert darüber hinaus Hitzewallungen, nächtliche Schweißanfälle, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch als Folge eines unregelmäßigen Zyklus können möglicherweise ebenfalls von Mönchspfeffer profitieren.

Im Widerspruch zur traditionellen Anwendung regt der Pflanzenextrakt in niedriger Dosierung bei Männern durch eine Absenkung des Prolaktinspiegels die Bildung von Testosteron an. Auf dieses Weise steigert Mönchspfeffer das Lustempfinden und die Fruchtbarkeit. In hoch dosierter Form dagegen hat die Pflanze eine Lust dämpfende Wirkung. Hormonell bedingter Haarausfall lässt sich ebenfalls durch Agnus Castus reduzieren.

Zur Behandlung von Hautkrankheiten, wie beispielsweise Akte und Ekzemen, dienen Salben aus dem Extrakt der Blätter. Hier macht man sich die antibakteriellen Eigenschaften mancher enthaltener Wirkstoffe zu nutze. Die Cremes und Salben lindern den Juckreiz.

Mönchspfeffer kann indirekt Krankheiten verhindern, die durch einen gestörten Hormonhaushalt verursacht werden, beispielsweise Akne, Myome in der Gebärmutter und Endometriose. Möglicherweise ist bei Männern eine positive Wirkung bei der Vorbeugung oder Behandlung der Prostatavergrößerung zu erzielen.

Mönchspfeffer eignet sich nach Rücksprache mit dem Tierarzt auch zur Behandlung aggressiven Verhaltens bei Haustieren. Über die Wirksamkeit bei der Behandlung des Cushing-Syndroms, einer Hormonstörung in der Nebenhirnrinde, liegen zahlreiche Studien vor, die jedoch nicht zu eindeutigen Ergebnissen gelangt sind. Bei Hunden und Katzen dämpft Agnus Castus den Geschlechtstrieb und vermindert dadurch den Stress für die Tiere.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkungsweise

Die Hirnanhangsdrüse spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Hormonhaushaltes. Mönchspfeffer wirkt dort durch die enthaltenen Diterpene ähnlich wie der Botenstoff Dopamin und hemmt das Hormon Prolaktin. Dies ist wichtig, denn ein erhöhter Prolaktin-Spiegel kann zum Ausbleiben des Eisprungs, Menstruationsstörungen, Unterfunktion der Schilddrüse oder psychischen Erkrankungen führen. Mönchspfeffer erhöht die Progesteronproduktion und die Bildung luteinisierender Hormone. Dies hat im weiblichen Körper Einfluss auf den Östrogenspiegel und die Milchproduktion in der Brust. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel.

Mönchspfeffer fördert die Bildung von Schwangerschaftshormonen. Dies macht sich die Medizin zunutze, indem sie die Pflanze zur Behandlung von Unfruchtbarkeit als Folge eines nicht ausgeglichenen Gelbkörperspiegels einsetzt. Gelbkörperschwäche geht mit einem Mangel an Progesteron einher und wirkt sich auf den Hormonhaushalt der Frau negativ aus. Wenn sich die Zeit nach dem Eisprung durch den Progesteronmangel verkürzt, setzt unter Umständen die Periode bereits ein, bevor die Einnistung in der Gebärmutter stattfindet. Die Senkung des Prolaktinspiegels durch die Einnahme von Agnus Castus unterstützt das follikelstimulierende Hormon und sorgt dadurch für einen pünktlichen Eisprung. In der zweiten Hälfte des Zyklus bereitet die erhöhte Ausschüttung von Progesteron den Weg für die Aufnahme der befruchteten Eizelle durch die Schleimhaut in der Gebärmutter.

Agnus Castus regt die Bildung des Sexualhormons Progesteron an und hemmt dadurch die übermäßige Bereitstellung von Östrogen. Dies führt zu einer Verminderung der Wechseljahrsbeschwerden. Durch die Senkung des Prolaktinspiegels kann Agnus Castus bei der Behandlung des Polyzystischen Ovar-Syndroms (PCOS) helfen. Diese Stoffwechselerkrankung, bei der der Hormonhaushalt stark gestört ist, kann zu Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit führen.

Mönchspfeffer enthält Inhaltsstoffe, die sich nicht nur an Dopamin-Rezeptoren, sondern auch an Opiat-Rezeptoren binden. Dies erklärt vermutlich die schmerzlindernde Wirkung und die positiven Auswirkungen bei psychischen Symptomen.

Die Früchte der Pflanze enthalten bis zu 2 Prozent ätherische Öle. Hier bilden Terpene, zum Beispiel Limonen oder Alpha-Pine,n den größten Anteil. Diterpene senken den Prolaktinspiegel und steuern die Ausschüttung von Progesteron. Der Wirkstoff Sabinen sorgt für den pfefferartigen Geschmack der Früchte. Cineol besitzt eine wohltuende Wirkung auf Lunge und Stirnhöhlen. Die enthaltenen Flavonoide, zum Beispiel Casticin, Isovitexin und Orientin, fördern die Durchblutung. Casticin sorgt darüber hinaus für einen ausgegelichenen Hormonspiegel. Die enthaltenen Iridoidglykoside, beispielsweise Agnuid und Aucubin, schützen das Immunsystem vor Angriffen durch freie Radikale. In diesem Zusammenhang wirken sie antibakteriell und hemmen das die Entwicklung von Pilzen. Linolsäure wirkt gegen Hautschäden und –unreinheiten, und die enthaltenen Gerbstoffe hemmen Entzündungen und wirken positiv bei der Behandlung von Durchfall und Hauterkrankungen.

Herstellung des Extrakts

Die Pflanzenteile für die Erzeugung von Arzneimittel stammen in der Regel aus Südeuropa, Marokko oder Asien. Die Früchte schmecken ähnlich wie Pfeffer und dienten in früheren Zeiten als Gewürz. Heute trocknet man die reifen Früchte, um daraus Extrakt zu gewinnen. Die Ernte findet zwischen September und Oktober statt. Dies erfolgt von Hand durch Abstreifen der Früchte. Nach der Reinigung trocknet man diese bei Temperaturen um 40 Grad. Dieser Vorgang muss schnell und möglichst schonend erfolgen, so dass für diesen Zweck eine niedrige Luftfeuchtigkeit unabdingbar ist. Anschließend folgt nach der Zerkleinerung der Früchte die Weiterverarbeitung zu einem standardisierten Trockenextrakt.

Die verbindlich enthaltenen Inhaltsstoffe sind durch das Europäische Arzneibuch festgelegt. Um die ausreichende Konzentration der medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe nachzuweisen, durchläuft das Trockenextrakt nun mehrere Prüfungsverfahren. Entspricht das Ergebnis den Vorgaben, werden die Wirkstoffe durch Alkohol extrahiert. Der gewonnene Extrakt wird getrocknet und zum Endprodukt verarbeitet.

Einnahmeformen

Mönchspfeffer erhält man in Form von Tabletten, Kapseln, Tropfen oder als getrocknete Samen zur Teezubereitung. Für die homöopatische Anwendung sind darüber hinaus Globuli erhältlich. Im Handel sind auch Kombinationspräparate erhältlich, die häufig Vitamine, Eisen oder Traubenkerze enthalten.

Grundsätzlich empfiehlt sich vor allem bei Zyklusschwankungen und Kinderwunsch die Einnahme einer gleich bleibenden Dosis über einen längeren Zeitraum. Im Gegensatz zu standardisiertem Extrakt kann Tee diese Vorgabe nicht erfüllen. Auch die Verwendung von Mönchspfeffer aus eigener Ernte kann eine gleich bleibende Wirkstoffmenge nicht garantieren.

Die Steinfrüchte lassen sich im September oder Oktober ernten und können frisch als Gewürz oder in Tees verwendet werden. Für die Trocknung entfernt man die Kerne aus dem Fruchtfleisch und breitet die Beeren in einem Raum mit niedriger Luftfeuchtigkeit aus. Dieser Prozess kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Für die dunkle und trockene Aufbewahrung der Früchte bietet sich im Anschluss ein verschließbares Glas an. Als Alternative kombiniert man Mönchspfeffer mit anderen Kräutern zu einer Teemischung.

Dosierung und Dauer der Anwendung

Die Wirkung von Mönchspfeffer ist während des ersten halben Jahres der Einnahme am höchsten. Als empfohlene Tagesdosis gelten je nach Anwendungsziel 20 – 40 Milligramm Wirkstoff. Im Normalfall sind Tabletten und Kapseln so dosiert, dass die Einnahme einer Tablette täglich ausreichend ist. Bei der Verwendung von flüssigem Extrakt gelten 30 – 40 Tropfen als sinnvolle Menge. Die flüssige Form ermöglicht eine individuelle Dosierung oder einen langsamen Aufbau des Wirkstoffspiegels. Mönchspfeffer wirkt bei Zyklusstörungen oder vorhandenem Kinderwunsch am besten, wenn er immer zur selben Tageszeit eingenommen wird. Dies sollte idealerweise morgens erfolgen.

Zur Behandlung von Zyklusbeschwerden ist eine mehrmonatige Anwendung erforderlich. Zunächst erfolgt die Einnahme für die Dauer von drei Zyklen einmal täglich. Zeigen sich erste Erfolge, reduziert man die Einnahmezeitraum auf die zweite Hälfte des Zyklus. Bei dauerhafter Besserung kann die Anwendung nach weiteren drei Monaten beendet werden. Bei erneutem Auftreten der Beschwerden besteht die Möglichkeit, die Behandlung wieder aufzunehmen. Wenn ausbleibende Menstruationen die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch darstellen, verlängert sich die empfohlene Behandlungsdauer auf 12 – 16 Monate.

Zur Linderung von PMS-Beschwerden wird die Einnahme von einer halben bis einer Tablette täglich empfohlen. Für die innerliche Behandlung von Hautkrankheiten nimmt man über mehrere Monate täglich eine halbe Tablette. Während der Wechseljahre besteht zum Ausgleich des Hormonhaushalts die Möglichkeit, nach ärztlicher Rücksprache Mönchspfeffer zweimal täglich einzunehmen.

Tee aus Samen sollte mindestens zehn Minuten ziehen. Täglich bis zu drei Tassen helfen bei Wechseljahrsbeschwerden und unregelmäßigen Monatsblutungen. Für die Behandlung von Zyklusstörungen sind Teemischungen mit Frauenmantel und Johanniskraut erhältlich. Tee aus Mönchspfeffer wird von manchen Seiten kritisch betrachtet, da sich die Wirkstoffe durch Wasser nur schwer aus den Samen lösen lassen.

In der Küche lässt sich Mönchspfeffer als Gewürz anstelle von Pfeffer verwenden. Aufgrund des dezente herben bis scharfe Geschmacks bietet sich eine Verwendung in Marinaden oder Gewürzmischungen für gebratenes Fleisch oder Grillgut an. Für eine Kombination eigenen sich besonders Paprika, Kurkuma, Ingwer, Knoblauch und Kräuter aus dem Mittelmeerraum. Grundsätzlich lassen sich mit Agnus Castus alle Gerichte würzen, die auch mit schwarzem Pfeffer harmonieren würden. Dies trifft besonders auf Kartoffelgerichte oder Hülsenfrüchte zu.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nebenwirkungen sind selten. Nur während der ersten Wochen der Einnahme führen die Zyklusänderungen in seltenen Fällen zu leichten Hautproblemen oder leichten Spannungsgefühlen in der Brust.

Unter Umständen löst Mönchspfeffer bei einigen Menschen allergische Hautreaktionen aus. Dies äußert sich in Hautschwellungen, Atemnot, Juckreiz oder Schluckbeschwerden. Manchmal treten Verdauungsprobleme, Schwindel oder Kopfschmerzen auf. Unter Umständen kann bei Unverträglichkeit auf die Behandlung mit Frauenmantel ausgewichen werden. Bei der Behandlung von PCOS können in manchen Fällen die Beschwerden zunehmen, weil Mönchspfeffer den Spiegel des luteinisierenden Hormons erhöht, der bei dieser Krankheit ohnehin schon zu hoch ist.

Während der Schwangerschaft kann die Einnahme von Mönchspfeffer zu Komplikationen führen und sollte unterbleiben. Es ist nicht auszuschließen, dass die Pflanze Wehen auslöst. Da das Pflanzenextrakt die Milchproduktion stören kann, sollten stillende Frauen auf die Einnahme verzichten. Auch Jugendlichen in der Pubertät ist von der Verwendung abzuraten, da sich Mönchspfeffer auf die Sexualhormone auswirkt. Dasselbe gilt bei Verwendung der Antibabypille oder während der Durchführung einer Hormonersatztherapie. Nach Absetzen der Pille sollte man seinem Körper für die Umstellung etwa drei Monate Zeit lassen und erst danach mit der Einnahme von Agnus Castus beginnen.

Wechselwirkungen können mit Medikamenten auftreten, die das Hormon Dopamin beeinflussen. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören Medikamente gegen Depressionen, Neurosen und Parkinson. Bei der Behandlung von Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Osteoperose sind Wechselwirkungen mit Östrogenen und Antiöstrogenen nicht auszuschließen. Auch die Einnahme während einer künstlichen Befruchtung oder bei paralleler Verwendung von Medikamenten zur Steigerung der Fruchtbarkeit ist zu vermeiden.

Die Anwendung von Mönchspfeffer bei Störungen des männlichen Lustempfindens führt zu einem erhöhten Prolaktinspiegel und kann damit eine verminderte Fruchtbarkeit bewirken.

Was gilt es beim Kauf zu beachten?

Mönchspfeffer ist nicht verschreibungspflichtig und kann über Apotheken, Drogerien, Bioläden oder den Online-Handel bezogen werden. Die meisten Präparate enthalten Agnus Castus als Einzelwirkstoff.

Um eine Belastung mit unnötigen Zusatzstoffen auszuschließen, sollte man möglichst auf Produkte aus europäischer Produktion zurückgreifen, da dort bezüglich der Inhaltsstoffe strengere Vorschriften gelten. Idealerweise greift man auf bio-zertifizierte Produkte zurück. Dies ist besonders beim Kauf von Tee wichtig, der möglicherweise Pestiziden und Schwermetallen enthalten könnte.